die Gämsen und das Spucken

Cup Tasters ist kein Schaulaufen sondern Sport.

Und Sport, so die klinische Psychologin Johanna Constantini, nur aus extrinsischen Motiven zu betreiben, ist nicht ideal. Sport sollte nicht nur für Strava, SCA-Championship-Insta-Stories und andere Datingapps gemacht werden, sonst fällt man in ein Loch. 

Und in dem Loch sind wir eh schon genug. Ich würd sagen, wir sind einfach keine Gämsen, die eine steile Felswand überwinden müssen, um noch freiliegende Grasflächen zu erreichen. Keine Lucy, die ein paar Mal im Jahr einen Fluss durchwarten muss, um den Nahrungsquellen zu folgen. Unsere Kultur ist zurecht das Ergebnis harter Bemühungen, das Leben im Sinne der Existenz erwartbarer und linearer zu machen. 

Somit ist der ideale Sport die spielfreudige Annahme sich bietender, nebensächlicher Herausforderungen. Um sich physisch, psychisch, hormonell, sozial, kulturell und handwerklich bis in die kribbelnde Fingerspitze und die sabbernden Geschmacksknospen zu erleben. Zu er- leben.

Das haben wir in uns.

Zu den Daten, die meine sieben halbe Fans interessieren:

Ich habe vor 3 ½ Jahre mit diesem Cup Tasters-Ding begonnen, innerhalb eines Jahres meines ersten, blauäugigen, mirnichtsdirnichtsigen Arbeitstages in dieser Specialty Coffee-Branche. Ich habe alleine trainiert, mir YouTube-Videos angeschaut, weil ich ohne böse Absicht zu den Trainingseinheiten der Erfahrenen nicht eingeladen worden war. Ich habe herumgepanscht mit einer Frenchpress und einer Thermosflasche. Meine Errungenschaft an dem Tag: mein Outfit wurde von einem mir fremden, sympathischen Kollegen aus Salzburg als bestes des Tages ausgezeichnet.

Das zweite Mal war innerhalb von neun Monaten schon für den nächstjährigen Worlds-Zyklus. Privat-kollegiales Trainingstande: Rojda zur Teilnahme überredet und in ihrem Eigenheim die Vorbereitungszelte aufgeschlagen, weil die Big Boys uns zwar unterstützt haben, aber immer noch aus praktischen Gründen großteils getrennt trainierten. In Wels eine Achterbahn der Gefühle, nach starken Erstrunden-Performances der Tandemis waren wir die ersten beiden außerhalb des Halbfinales. Rojda auf dem Vordersitz, ich hinten in die Pedale tretend. Am Ende waren wir froh, weil wir den Champion Boki aus dem Bewerb geradelt hätten, wäre auch nur eine unserer Achsen vor ihm über die Ziellinie gerollt.

Nach langem Warten ein unsicherer Auftritt vor Heimpublikum, mehr als alles andere geprägt von meiner Freude über die Masse an Kaffeefabrikant:innen, die als geschlossenes Team angetreten sind und zu 5. in’s Halbfinale einzogen. Außerdem meine Ablehnung gegenüber dem VCF in allen Facetten.

Und jetzt Nummer vier. Aller guten Dinge sind vier, kein Bier vor drei, irgendwo auf der Welt ist es immer Smaragd-o-Clock: nach diesen Weisheiten lebt die Wachau und ich hab versucht mich demütigst in die Kremser Exklusivparty einzumischen.

Was ist mein Fazit?

Erstrunden-Ergebnisse: Platz 21., Platz 11., ein 6. Platz und jetzt die Bürde einer Führungsposition.
Meine Endresultate entwickeln sich somit von 21 über 11 auf 9 und jetzt 7. Apropos 7er, hab ich noch nie gezeigt im Wettkampf, auch wenn er meine Lucky Number im Abschlusstraining ist. 5-6-6-5-6-5 wäre mein PIN, folgte er meiner offiziellen Wettkampfstatistik. Diese Konstanz wiegt wie schweres Gold in meinem Denim-Taschen, wenn eine schwere erste Runde die Konkurrenz zurückhält. Anscheinend zu schwer, um mich im Semifinale in Richtung Bronze oder Silber hupfen zu lassen, was allemal drin gewesen wäre.

Aber so ein Wiener bin ich dann doch nicht, dass ich die Wehklage wähle, nach einer Verkühlung, die mich vor einer Woche noch stehend KO geschlagen hat und mitte der Woche die Trainingsrunden nach geröstetem Mehl und 2-Cent-Münzen schmecken ließ. Shoutout DJ Madjunga: egal ob ich nach Krems a. D. fahr, um Minimengen unvorteilhaft zusammengewürfelter Kaffees von Löffeln zu schlecken oder ob es beginnt im Rathaus-Hof in den frühen Morgenstunden zu frösteln.

this is my song.

Es geht nicht

auf’s Siegertreppchen oder nach Bangkok. Es geht die persönliche Felswand hinunter, sich zu trauen, den Fluss zu durchsteigen. Jahr für Jahr. Und wenn ich irgendwann mitgerissen werde von den Fluten, war's das auch wert.

Slurp you next year!


Previous
Previous

Was SOll Moni Kochen 1

Next
Next

Aufmerksamkeit und beobachtungen